Just sew it!

Wenn unsere Köpfe zu Saisonbeginn Achterbahn fahren mit all den wunderbaren Nähideen, wird es schwierig, ein Projekt tatsächlich zu Ende zu bringen. Viel zu verführerisch, dieses andere Ding wenigstens schon mal zuzuschneiden …

Aber auch der ganz alltägliche Wahnsinn läßt nicht bereitwillig Zeit, Nähprojekte geschmeidig zu Ende zu bringen.

Was also tun? Gibt es eine Strategie, mit der frau totsicher jedes angefangene Nähprojekt zu Ende bringt?

NEIN. Es gibt nicht DIE Strategie. Wirksame Strategien müssen auf Ihre Persönlichkeit abgestimmt sein.

Aber: JA, es gibt eine Lösung und die wird bestimmt von 3 Haltungen: Disziplin, Mut und Nachsicht.

Große Worte, was?

Aber schauen wir doch mal genauer auf die Situation:

Was hält uns am häufigsten ab, ein Nähprojekt umzusetzen und fertigzustellen? Entweder sind es die Belastungen des Alltags oder Schwierigkeiten mit dem Objekt.

Wie kommt da jetzt die Disziplin ist Spiel? Die ist immer dann gefragt, wenn wir eigentlich zu müde, zu genervt, zu involviert sind, um uns noch aufzuraffen. Genau dann ist der innere Drill Sergeant gefragt, der eine so rüde als nötig an die Maschine oder den Zuschneidetisch befiehlt.

Oft verfliegt die Anspannung des Tages, wenn frau sich erstmal aufgerafft hat und das Nähen bringt genau die Entspannung und Befriedigung, die eine brauchte. Und wenn sich die nicht einstellen, ist frau wenigstens ein paar Nähte weiter.

Der Drill Sergeant sollte auch als argwöhnischer Wärter über geplante Nähzeiten eingeteilt werden. Wenn frau sich Zeit fürs Nähen freigeschaufelt hat, sollte sie alle anderen Störenfriede ausschalten. Alles, was Sie davon abhält, in Flow zu geraten, gehört ausgesperrt. So lustig eine Twitter- oder Facebook-Unterhaltung nebenbei ist, sie teilt Ihre Aufmerksamkeit. Und geteilte Aufmerksamkeit führt nicht zu effektivem Nähen.

Und er sollte auch dann einschreiten, wenn Sie der Auswahl, die Sie zwangsläufig treffen müssen, zu entgehen suchen, in dem sie mehrere Projekte gleichzeitig starten.

Nachsicht ist immer dann gefragt, wenn Sie doch vor dem Alltag kapituliert haben. Manchmal braucht auch die beseelteste Hobby-Schneiderin einen Abend auf der Couch, vorm Kamin, im Schwimmbad … Wenn Sie sich so entschieden haben, genießen Sie es und grämen Sie sich nicht hinterher. Ein Abend, an dem Sie anderweitig neue Kräfte getankt haben oder Ihren Verpflichtungen nachgegangen sind, macht Ihnen den Kopf fürs Nähen frei.

Und Mut? Der ist immer dann gefragt, wenn Sie sich vor Ihrem aktuellen Projekt (oder gar mehreren?) verstecken, weil Sie Probleme sehen oder auch nur befürchten, für deren Lösung Sie sich handwerklich nicht gewappnet fühlen. In dem Falle gilt es: Stellen Sie sich der vermuteten Katastrophe. Oft IST das Problem lösbar. Besonders, wenn Sie sich Hilfe holen: die beste Nähfreundin, die Kursleiterin und wenn Sie absolut freischwebend allein auf weiter Flur nähen, die nächste Schneiderei (natürlich nur zum Beraten). Es gibt Bücher, Videos und Foren da draußen. Fragen Sie sich schlau. Lassen Sie nicht von einem Teil, das Ihnen Schwierigkeiten bereitet, bevor Sie das Problem gelöst haben oder das Werkstück endgültig hinüber ist. (In dem Falle: Versuchen Sie drei Lehren daraus zu ziehen und machen Sie einen Haken dran. Keine gewinnt immer.)

Zurück zur Strategie:

Es gibt Menschen, die arbeiten am Besten, wenn sie sich für lange Strecken in eine Sache vertiefen können. Gehören Sie zu dieser Sorte, dann schaufeln Sie sich eine längere Nähphase frei, in dem Sie andere Aufgaben vorgezogen erledigen.

Es gibt andere, denen fällt es leichter, sich für kurze Zeithäppchen an die Arbeit zu machen, dann auf etwas anderes umzuswitchen und anschließend noch mal zum Nähen zurückkommen.

Für beide Typen gilt: Organisieren Sie sich Ihre Nähprojekte so, dass Sie mit einem Griff alle benötigten Materialien zur Hand haben. Wer seine Nähzeit damit beginnen muss, Kram zusammen zu suchen, hat schon keine Lust mehr. Und vielleicht auch keine Zeit.

Legen Sie einen Laufzettel an, besonders dann, wenn Sie nur in sehr großen Abständen zum Nähen kommen. Notieren Sie auf dem Zettel immer die nächste zu erledigende Aufgabe, bevor Sie Ihr Werkstück wieder verlassen. So garantieren Sie einen schnellen Wiedereinstieg.

Bevor Sie Ihre Nähzeit beenden, machen Sie immer noch einen kleinen Schritt mehr fertig. Außer, es ist 4 Uhr morgens und Ihnen fallen schon die Stecknadeln aus den Haaren.

Seien Sie realistisch in Ihren Planungen. Natürlich kann ein Anlasskleid innerhalb einer Woche entstehen. Aber nicht in einer Woche, in der ein Kind krank, der Partner / die Partnerin auf Dienstreise ist und Sie im Job die Leistung des Jahres erbringen müssen.

Trotzdem ist eine klare deadline ein großer Ansporn.

Genauso wie der Wunsch, ein bestimmtes Schnittmuster, einen bestimmten Schnitt JETZT SOFORT anziehen zu wollen. Wenn Sie es irgend einrichten können, geben Sie diesem Jetztmachenwollen nach. Ja, dafür darf der Wochenendputz schon mal aufgeschoben oder delegiert werden.

Machen Sie sich klar, dass einige Ihrer Projekte daneben gehen werden. Ärgerlich ist das nur, wenn Sie dabei nichts gelernt haben. Menschen, die Mannschaftssport als Hobby betreiben, verlieren auch mal. Bleiben Sie dran, so lange Sie das Gefühl haben, noch etwas zu lernen. Haken Sie es endgültig ab, wenn es sein muss.

Vor allem: Verbringen Sie nicht mehr Zeit mit Zaudern und Zagen. Just sew it!

 

 

 

 

Weite Hosen für den Winter

Haben wir in der Schnittberatung tatsächlich noch nicht ein einziges Mal eine Hose empfohlen? Vom Jumpsuit mal abgesehen? Dann ist jetzt aber aller höchste Zeit.

Die 70er sind ein starker Trend diesen Herbst und Winter und damit ist auch die weite Hose, ja sogar die Schlaghose mit der hohen Taille zurück auf den Laufstegen. Bevor Sie sich jetzt entsetzt abwenden oder murmeln: „Hätte ich sie mal aufgehoben!“ schauen Sie durch die nachfolgenden Bilder. Unvoreingenommen betrachtet, sind diese Hosen nämlich ziemlich cool. Wir müssen uns nur erst an die weite Linie gewöhnen. So, wie wir uns erst wieder an den Hosenrock, Verzeihung, an die Culotte gewöhnen mussten. Den darf eine im Winter übrigens getrost weiter tragen.

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Bis zu den Hosen-Schnittmustern ist die 70s Linie noch nicht vorgedrungen. Weite Hosen gibt es natürlich. Hier und da auch welche mit hoher Taille. Bei Bootcut wird’s schon schwieriger und bei Schlaghosen lohnt sich die Suche nach einem Originalschnittmuster in jedem Fall.

Sammi von Style Arc hat einen dezenten Bootcut und wäre etwas, um sich langsam von den Skinnies zu entwöhnen. Durch ihren recht klassischen Schnitt paßt die Hose auch gut ins Büro.

Die Schnittkollektion Casual Classics von Schnittvision enthält einen ausgeprägten Bootcut-Schnitt, der schon sehr 70s rüberkommt. Cool, right?

  

Diese wunderbaren Schätzchen findet frau zur Zeit auf Ebay. Es ist also nicht wirklich schwer, an Originalschnitte aus den 70s zu kommen.

Und woraus näht frau diese großartigen Hosen, die endlos lange Beine machen?

Wir schlagen stilecht Cord vor. Unserer hat wunderbar herbstliche, tiefe Farben, ist muckelig warm und dank Elasthan-Anteil sehr bequem zu tragen.

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Back to School

Die Sommerferien sind rum. Zumindest hier in NRW. Die Schule beginnt. Wenn Sie schulpflichtigen Kinder haben – oder gar selbst Lehrerin sind – werden Sie sicher die letzten Tage mit Vorbereitungen verbracht haben: Materialien besorgen, Schulsachen richten, vielleicht noch neue Kleidungsstücke kaufen.

Bei allem Stress, den ein neues Schuljahr mit sich bringen kann: Ich finde diesen Moment, wo alles wieder auf Anfang geht, sehr inspirierend. Warum diese Kraft nur dem Jahresanfang zusprechen?

Vielleicht gönnen Sie sich, nachdem Sie die Vorbereitung für die Kinder gemanaged haben, selbst noch einige back-to-sewing-Vorbereitungen. Wenn es Ihnen wie mir geht, hat die Nähmaschine in den letzten Wochen nur Dienst getan, wenn dringend was her musste: ein neuer Badeanzug, last-minute-Urlaubsshorts für die kids, ein wirklich luftiges Kleid.

Aber nun ist der Herbst und damit eine der schönsten Nähzeiten schon in greifbarer Nähe.  Zeit, komplexere Vorhaben anzudenken und die verlangen nach mehr Vorbereitung als die schnell-noch-Nähprojekte des Sommers. Mithin: Nähzimmer ordnen, Ideen entwickeln, Lern-Herausforderungen definieren, Schnitte sichten, Material bestellen.

Damit Sie am ersten richtig kalten Septemberabend mit Macht losnähen können. Denn: Allem Anfang wohnt ein Zauber inne – besonders, wenn frau an besagtem Septembertag einfach die Schublade aufziehen und alle Zutaten für Herbstprojekt Nummer 1 herausnehmen kann.

Also los! Nehmen sie sich Ihr Nähnotizbuch her, schlagen Sie eine Seite um, schreiben Sie sein säuberlich Namen, Saison und Thema hinein und planen Sie.

Und wenn Sie schon bei Herbststoffen sind, schauen Sie sich unsere wunderbaren Cordstoffe an. Mehr 70s back-to-school-Feeling geht vermutlich gar nicht.

 

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Trends und was frau mit ihnen macht

Wer kennt das nicht? Vielfältige Wahlmöglichkeiten – sei es Stoffauswahl, sei es das Angebot an Schnitten – sind Quelle von Lust und Frust zugleich. Übergroße Auswahl lähmt. Nach welchen Kriterien trifft man angesichts unübersichtlicher Fülle eine Wahl?

Durch die Galaxien textiler Möglichkeiten gibt es zwei Navigationssysteme: Trends und persönlicher Stil. Zwei unterschiedliche Ansätze, die sich dennoch kreuzen.

Trends entwickeln sich auf verschiedenen Ebenen, mit unterschiedlicher Durchschlagskraft. Der Lemming-Schnitt der Saison mag in der online-Nähszene für Aufregung und Nähräusche sorgen und im gesamten Bekleidungskontinuum vollkommen unbedeutend sein.

Zumeist werden Trends als Vorgaben präsentiert: dies oder das MUSS frau kaufen und tragen (oder nähen und tragen, in unserem Fall), will sie nicht unmodern sein.

Betrachtet man Mode-Trends aber nicht als Vorschrift, sondern als Ergebnis kuratorische Arbeit – ein paar Leute, die sich mit der Materie intensiv beschäftigen, … und ja, auch ihre eigenen Agenda verfolgen … sortieren vor und empfehlen diejenigen textilen Erfahrungen, die in besonderem Maße aufregend, neu, zu mindest doch anders sind, dann sind sie nichts als eine Vorauswahl. Eine Orientierungshilfe in den Weiten der Möglichkeiten. Wie bei einer Ausstellung kann frau sich auf diese vorstrukturierte Erfahrung einlassen, oder dem Ganzen ihre eigene Bedeutung zuschreiben.

Trends schaffen dabei den Spagat, neue Seh- und Trageeindrücke für eine große Menge von Menschen zu etablieren. Ein Beispiel: Von all den Hosenformen, die mach- und tragbar sind – wählen im Moment eine signifikante Anzahl von Designern, Konfektionären und Schnittmusterherstellern den relativ lange nicht mehr gesehenen Hosenrock (in Fashion Speak gerade Culottes genannt) als die aktuelle Hosenform. Die weiten, meist dreiviertel langen Hosenbeine stellen eine  neue Seh- und Tragegewohnheit dar, die in deutlichem Gegensatz zu den noch allgegenwärtigen Skinnies steht.

Navigiert frau primär nach dem eigenen Stilempfinden durch die vielen Möglichkeiten, die das Selbermachen von Kleidung bietet, wird ihr Auswahlprozess manchmal zu einer rechten Queste ausarten. Der Wollcrèpe in Fuchsia, der es dann unbedingt sein muß, existiert ganz sicher irgendwo da draußen, nur vielleicht nicht gerade um die Ecke. Nach dem eigene Stil zu navigieren, schließt eine Menge Möglichkeiten von vorn herein entschieden aus und bestärkt eine andererseits in der resuluten Suche nach DEM perfekten Material, DEM perfekten Schnitt, u.s.w.

Trends sind dagegen leicht verfügbar.

Letztlich sind diese beiden Auswahlbewegungen aber auchunentwirrbar miteinader verwoben. Der persönliche Stil bildet sich immer in Relation zur gängigen Modesprache und ihren Trends. Auch und gerade dort, wo er sich emphatisch von ihr absetzen will. Unsere Sehgewohnheiten und damit unser ästhetisches Empfinden werden mitgeprägt von dem, was uns alltäglich in den Medien,  auf der Straße, in der U-Bahn und am Arbeitsplatz unter die Augen kommt.

Mancher Trend kommt dem persönlichen Stil sehr entgegen. Mancher erntet nicht mehr als ein unverständiges Kopfschütteln. Ein dritter fesselt unsere Aufmerksamkeit, obwohl er jenseits unserer selbstdefinierten Stilgrenzen liegt.

Was tut eine Hobbyschneiderin nun mit den neuesten, gehyptesten Modetrends?

Sie bleibt vollkommen entspannt. Wenn Ihre Farben gerade nicht IN sind und Ihr Stofflager recht knapp ist, könnte es zu Engpässen kommen. Ansonsten aber können Sie Trends komplett ignorieren. Wenn Sie das wollen.

Sie haben Ihren Stil, der langweilt Sie kein bißchen und fühlt sich auch nicht an, als passe irgendetwas nicht mehr?
Suchen Sie sich Stoff und Schnitt aus, die Ihre Augen glänzen lassen, und nähen Sie glücklich bis an Ihr Lebensende.

Ihnen kommt ein Trend unter, der direkt aus Ihrem Kleiderschrank geklaut zu sein scheint?
Lächeln Sie triumphierend und machen Sie weiterhin Ihr Ding. Irgendwann steht dann wieder niemand mehr auf Mod-Klamotten und Sie sind aufs Neue die coole Exotin, die Sie lange waren.

Da ist dieses neue heiße Ding, das Sie total fasziniert, aber seeeehr weit außerhalb Ihrer Komfortzone liegt?
Wagen Sie einen Versuch. Vielleicht nicht gerade in einem Stoff, der ein halbes Monatsgehalt verschlingt. Aber in einer guten Qualität. Betrachten Sie es als Experiment. Tragen Sie Ihr trendiges Teil wie Sie ein Auto probefahren würden. Mitunter stellen wir bei solchen Experimenten nämlich fest, dass wir unsere Stil-Grenzen zu regide gezogen haben und da draußen noch andere Möglichkeiten existieren, unsere Persönlichkeiten in Kleidung auszudrücken.

Bestimmen Sie Ihren eigenen Kurs und sehen Sie Trends als Strömungen, die Sie nutzen können, wenn es IHNEN paßt.

 

 

 

 

VIEW Munich – Unendliche Möglichkeiten

Uff! Am 14. und 15.07. war unsere Muttergesellschaft Devetex auf der VIEW Munich, einer exklusiven Saisonvorschau für Herbst/Winter 16/17 mit einem Stand vertreten. Und ich hatte die feine Aufgabe, unsere Fashion for Designers Gäste beim Rundgang über die Messe zu begleiten. Seitdem versuche ich, die vielen, vielen textilen Eindrücke zu ordnen, um sie an Sie, liebe Leserinnen, weiter zu geben. Gar nicht leicht.

Heute stelle ich vor, was ich bei anderen Anbietern gesehen habe. Im nächsten Post gibt es dann Bilder zu sehen. Dann zeige ich Ihnen unsere Neuheiten für den übernächsten Winter.

Jacquard

Am häufigsten ins Auge gesprungen sind mir wunderbare Jacquard-Stoffe. Das mag an der Zusammenstellung der Aussteller liegen und / oder an meinen ästhetischen Vorlieben: aber gefühlt habe ich fast so viele Jacquards angefaßt wie Wollstoffe. (Und mit letzteren war ja auf Grund der Saison zu rechnen.) Vom Muster her dabei in allen nur denkbaren Spielarten: Sehr pixeliges schwarz, weiß und minimal gelb, und erst, wenn man ein Stück zurück ging, erkannte man die Pinguine. Barocke, florale Muster. Strenge geometrische Formen. Neben satten Juwelentönen blitzten einen hier und da auch neonfarbige Jacquards an. An einem Stand waren die Jacquards auf den Laschen schon in lockere Falten gelegt, so dass frau einen guten Eindruck bekam, wie ein Rock aus diesem Stoff wohl aussehen würde.

Metallischer Glanz

Schon bei die Jacquards waren einige mit Lurexfäden durchzogen. Diese fanden sich aber auch in Wollstoffen häufig. Wobei die Effekte von kleinen dezenten Glanzpunkten über versprengselte Kleckse zu ganzflächig reichten. Leicht metallisch glänzende Oberflächen gab es sowohl auf Jersey, als auch auf festen Seidenqualitäten, als auch auf lasergeschnittenem Leder, das wie Spitze anmutete.

Netze

Durchbrochene Stoff und tatsächliche Netze hab ich in fast jedem Material gesehen. Wollstoffe, die mehr aneinandergereihte Schlitze als Flächen waren. Jerseys mit auflaminierten Netzstrukturen. Seidengewebe, die an Aida-Stickstoff erinnerten, aber mit deutlich größeren Zwischenräumen. Neopren mit Netzoberfläche.

Starke Texturen

Letztlich fallen die Jacquards und die Netze auch in diese überzuordnende Gruppe: Sehr, sehr viele Stoffe, deren Oberfläche nicht glatt, sondern stark texturiert waren: geprägtes Leder (so, dass es aussah, als sei es mit Nieten überzogen), Webpelze mit unterschiedlich langem Flor, Wollstoffe mit fluffigen und weniger fluffigen Oberflächenpartien. Jeans-Stoffe mit aufgeflockten Samtstrukturen. Verbundstoffe aus (ich rate jetzt) Chenille und Neopren.

Jersey-Variationen

Laminiert – so dass er beinahe eine Lederanmutung hatte und sich auf der Innenseite immer noch kuschelig anfühlte. Beflockt. In Materialdicke, die ich im herkömmlichen Stoffhandel noch nie in der Hand hatte. Schwerer Leinen-Jersey. Hauchzarter Seidenjersey. Als Doubleface mit einer fast frottee-artigen Struktur auf einer und einer gewohnt glatten Struktur auf der anderen Seite. Mit unregelmäßiger Oberfläche.

 

Was ich nicht rausgesehen habe: DIE drei oder vier „Saison-Farben“. Lediglich bei Jerseys und Seidenstoffen fielen mir sehr schöne, unkitschige Rosetöne auf, was aber auch daran gelegen haben mag, dass nebenan meist Grau- und Graublautöne hingen. Bei den Wollstoffen herrschten gedeckte Töne vor. Ansonsten war von sommerlich heißen bis nordisch kühlen Farben alles zu sehen. Neon-flashes inklusive.

Insgesamt: Taktiler Overkill auf der VIEW. Unser Besuch und ich mußten mehrere Kaffeepausen einlegen, um die vielen Möglichkeiten zu verarbeiten. Jetzt allerdings ist mein Näh-Ideen-Notizbuch im Kopf bis zum Anschlag gefüllt. Ich hoffe, ein bißchen Inspiration konnte ich hiermit an Sie weitergeben.

 

Toscana-Feeling

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Sind es die Farben? Oder die üppige Blütenpracht? Wann immer ich den Stoff sehe oder nun mich in meinem Kleid im Spiegel, bin ich in Gedanken ganz schnell auf sonnenüberfluteten Hügel, lustwandle auf Zypressen-Alleen.

Es gibt solche Stoffe. Solche, die einen sofort zum Träumen bringen. Unsere beiden Garbo-Prints sind solche.

Hortensie:

Stoff mit Hortensien

Ranke:

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Perfekt für schlichte, aber luftige Etuikleider. Oder schicke, minimalistisch-geschnittene Tops. Eben überwerfen und in Urlaubsstimmung sein. Hach! Manchmal ist selbstgemachte Kleidung herrlich unkompliziert.

Der Stoff ist ein wunderbar griffiger Viscose-Crèpe. Er hat einen tollen Fall und eignet sich daher auch für fließendere Schnitte als mein  strukturiertes 60s-Vintage-Modell.

Obwohl es Liebe auf den ersten Blick war – schließlich hab ich den Stoff auch ausgesucht für unseren shop – hab ich zunächst mit der Verarbeitung gezögert. Schließlich fehlt mir noch eine gehörige Portion Toscana-Bräune. Aber seit das Kleid fertig ist, ist es on heavy rotation. Anziehen. Durchschwitzen. Waschen. Anziehen … mein Sommertraumkleid.

 

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Bin sehr gespannt, was die anderen Damen bei RUMS heute an selbstgezauberten Kleidungsstücken zeigen und ein bißchen aufgeregt, weil’s mein erstes Mal ist.

Stoff mit Hortensien

Ungleichzeitigkeiten

Keine Frage: es ist HEISS. Selbst in unserem show-room herrschen südliche Temperaturen. Mehr Sommer geht in hiesigen Breitengerade gar nicht.

Trotzdem habe ich gerade eine halbe Stunde damit verbracht, durch die ersten Stoffproben für die Wintersaison 16/17 zu schauen. Hier die Hitze des Moments, da die vielen, vielen Möglichkeiten für den übernächsten Winter.

Ich streichle über ein Blumenmuster nach dem anderen. Blumen im Winter? Blumen im Winter! In vielerlei Gestalt. Photorealistisch. Graphisch. Zart wie ein Pastell. Ich halte einen Crèpe mit eisblauen Blüten gegens Licht und sehe sofort ein Bild vor mir: von einem weitschwingenden Kleid inmitten einer tiefverschneiten Berglandschaft. Winter IS coming. So unendlich weit weg sich das zur Zeit auch anfühlen mag.

Merkwürdige Welt, diese Modewelt. Weit entfernt von der aktuellen Lebensrealität. Hier stehen wir und schwitzen. Der Sommer hat eben erst begonnen. In Gedanken sind wir auf dem Fluß, im Urlaub, am Meer, auf grünen Almwiesen. Kleidungstechnisch regiert gerade die Frage: mit wie wenig Stoff am Körper kann eine unter Menschen gehen? Und doch wird es auf der Messe, auf die wir Sie, liebe Leserinnen eingeladen haben, in zwei Wochen nur um Herbst und Winter gehen. Den übernächsten. Vor drei Wochen wußte ich nicht mal, dass ich ganz dringend noch ein sehr luftiges Sommerkleid brauchen könnte. Aber für den großen Teil der kleidung-kaufenden Menschheit wird mitten im Sommer entschieden, aus welchen Stoffen die übernächsten Wintersachen sein werden.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: ich plane meine selbst zu nähende Garderobe gern ein bißchen vor. Ein Teil der Lust beim Selbernähen kommt ja daher, sich in zukünftige Situationen einzufühlen und sie mit Stoffen spielend vorweg zu nehmen. Außerdem braucht die Eigenproduktion Zeit. Aber da geht es um ein, zwei Monate. Ende August für Herbst und Winter. Mitte Februar für den hoffentlich bald einsetzenden Frühling. Aber gleich eineinhalb Jahre?

Nähen Sie antizyklisch? Planen Sie, nähen Sie jetzt schon für Herbst und Winter? Fehlt Ihnen in Ihrer Sommergarderobe nichts mehr, weil Sie all das, was benötigt wurde, schon im Januar und Februar erahnt hatten? Wenn ja, wie gehen Sie dabei vor? Wenn nicht, nähen Sie dann Wetter und Stimmung hinterher?

 

 

Short Cuts – kurze Hosen für heiße Sommer

Leichte luftige Sommerröcke sind toll! Nur nicht, um darin in den Kirschbaum zu kraxeln und Kirschen zu pflücken. Nur nicht, um darin über Zäune zu steigen oder durch die Höllentalklamm zu wandern. Kurze enge Röcke sehen toll aus, aber es ist unmöglich damit ins Kayak einzusteigen.

Mit anderen Worten: Für all die wunderbaren, bewegungsreichen Dinge, die eine im Sommer gern tut, muß eine luftige Alternative zum Sommerrock oder Kleid her.

Auftritt: die Shorts. Ihre kurze Hose zum Pferde stehlen. Nichts sagt so nachdrücklich BADASS. In kaum einem anderen Kleidungsstück stellt sich dieses Huckelberry Finn Sommerfeeling von entspanntem Abenteuern schneller ein.

Dabei ist die kurze Hose erstaunlich wandelbar: Ihre Länge variiert zwischen knielang (Bermuda) bis Popo gerade so bedeckend (hot pants), und bietet so eine Länge nach eigener Präferenz.  Das Hauptbetätigungsfeld der Shorts liegt draußen: am Strand, im Freibad, auf dem Fahrrad, am Berg, im Boot, auf dem Spielfeld. Aber: Eine Bermuda wird mit Blazer oder Blouson geschäftsfähig. Eine Shorts aus einem feinen Stoff ergibt mit einem ausgefallenen Top  und den passenden Schuhen  ein Party-Outfit.

Mit anderen Worten: die kurze Hose kann chillig genauso wie chic. Sie kann outdoor und indoor. Sie kann extravagant und casual. Sie kann kernig und verspielt.

Und wenn eine selber näht, dann kann sie all diese Möglichkeiten wundervoll ausspielen. Talk about Wandelbarkeit.

Für farbige Hingucker-Hosen empfehlen wir diese unifarbenen Stoffe aus unserem Shop:

 

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Olinda ist eine recht schwere Baumwolle, bestens geeignet für eine widerstandsfähige knallgelbe Sonnen-Shorts.

 

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Naomi ist ein leichter Baumwollstoff mit einem Hauch Glanz. Daraus ließe sich eine luftige Shorts für die allerheißesten Tage des Jahres zaubern. In kräftigem Fuchsia oder in einem pudrigen Rosé.

 

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Opél besticht durch seinen tollen Fall. Damit ist er prädestiniert für die Party-Hose.

 

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Natürlich muß eine Shorts gar nicht einfarbig sein. Lässige Streifen und coole Wax-Prints funktionieren ebenso.

 

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Abseits des einschlägigen Nähmagazins sind uns diese tollen Shorts-Schnitte aufgefallen:

Für die Pfadfinderin in jeder von uns hat République de Chiffon die Bundfaltenshorts Pierre in Programm.

Chataigne von Deer & Doe hingegen ist süße Pariser Verführung mit hoher Taille und Bogenkante.

Die Thurlow von Sewaholic ist beinahe schon ein Klassiker, wohl auch wegen ihrer betont schlichten Form.

Die Sweet Shorts von Pattern Runway spielen ebenfalls mit abgerundetem Saum für eine überraschende Optik.

Also flugs: Stoff geordert und losgenäht! Für dieses unvergleichliche Gefühl, wenn einer der warme Sommerwind über die nackten Beine streift. Genießen Sie den Sommer.

 

20 Gründe, warum Sie nicht zum Nähen kommen

Sie kennen das vielleicht? Es ist Sonntagabend, so gegen 21.55 Uhr. Frau sitzt ermattet auf dem Sofa und fragt sich, warum sie schon wieder das ganze Wochenende nichts genäht hat. Hier sind 2o Gründe, warum das passiert sein könnte.

1. Die Sonne schien.

2. Es hat geregnet.

3. Besuch ist gekommen.

4. Sie mußten dringend wischen und Fenster putzen.

5. Sie hatten kein passendes Garn zuhause.

6. Die Kinder wollten, dass Sie sich mit Ihnen beschäftigen.

7. Sie hatten nur eben dieses eine Tutorial Bei Youtube angeschaut. Dann war auf einmal der Nachmittag rum.

8. Es war Wochenende. Da soll frau sich doch erholen.

9. Sie hatten schlicht keine Lust.

10. Sie haben ausgeschlafen und dann endlich mal die Tageszeitung ganz gelesen. Dann war das Wochenende rum.

11. Das Kind / die Kinder ist / war krank.

12. Der Partner war krank.

13. Die Katze war krank.

14. Der Schnitt war noch nicht kopiert.

15. Sie zweifeln daran, dass der ausgewählte Schnitt und der ausgewählte Stoff Ihnen stehen.

16. Die anstehende Nähsession hätte mit Trennen begonnen.

17. Es war kein Kaffee mehr im Haus.

18. Als Sie dann einkaufen waren, haben Sie eine entfernte Bekannte getroffen, die Ihnen promt erstmal erzählen mußte, was ihr in den letzten 16 Jahren so passiert ist.

19. Als Sie nach Hause kamen, hatten die anderen Mitbewohner das Haus in ein Schlachtfeld verwandelt und wenn Sie jetzt hätten anfangen wollen zu nähen, hätten Sie sich erstmal einen Weg bis zum Tisch und dann denselben freiräumen müssen.

20. Setzen Sie hier bitte den Grund ein, der Sie am häufigsten vom Nähen abhält.

Moral von der Geschicht?

Zeit zum Nähen stellt sich von alleine nicht ein.  Frau muss sie sich organisieren.

Lust zum Nähen ist ein flüchtiges Ding. Oft kommt sie erst, wenn frau angefangen hat. Das ist wie beim Sporteln. Nähen ist manchmal eine Herausforderung, vor der wir uns in bestimmten Stimmungslagen lieber drücken mögen. Dann ist jede Ablenkung recht. Das ist normal bei kreativen Betätigungen. Trotzdem muß frau da drüber. Sonst wird’s nichts mit dem raffinierten Sommerkleid. Oder dem Blazer.

Es gibt immer tausend Dinge, die sich quer stellen werden und Ihnen Zeit und Lust rauben, wenn Sie sie lassen.

Wenn das nächste Mal jemand ihr neuestes Nähwerk kommentiert mit: „Ich hätte da keine Zeit für …“ Dann antworten Sie: „Ich nehme mir die einfach.“

Und nun: Genug gelesen. Ab an die Maschine! Damit Sie morgen Abend in einem neuen Kleidungsstück Tatort schauen können.

Schauen Sie vorbei

Als Hersteller hochwertiger Stoffe für die Bekleidungsindustrie ist unsere Muttergesellschaft Devetex natürlich auf den wichtigen Stoffmessen in Europa vertreten.

Mitten im Juli sind wir z.B. auf der View Munich.  Diese Messe ist eine exklusive erste Sicht auf die Trends der Saison Herbst / Winter 16/17.

Im September folgen dann die Munich Fabric Start ( 1. – 3. 9.) und die Première Vision in Paris (15. – 17- 9.) – zwei große Stoffmessen mit Tausenden von Ausstellern und mehr Stoffen, als eine noch so ambitionierte Hobbyschneiderin in ihrem Leben vernähen kann.

In der Vorbereitung haben wir uns nun gefragt, ob vielleicht auch Sie – unsere Privatkundinnen – Interesse hätten, uns in München oder Paris an unserem Stand zu besuchen, um einen Blick hinter die Kulissen der Modebranche zu werfen? So hätten Sie Gelegenheit, unsere Stoffe für Herbst- und Winter zu sichten und die großen Trends aufzuspüren.

Bis zum ersten Messetermin ist es nicht mehr lange hin. Wenn Sie uns also am 14. oder 15.9. in München besuchen möchten, dann schreiben Sie uns flugs eine email ( alexandra.gerull@fashion-for-designers.de), in der Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, warum wir gerade Sie auf die Messe einladen sollen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.