Tragen Sie das?

Hand aufs Herz: Wie viele Ihrer selbstgenähten Kleidungsstücke tragen Sie wirklich? Und mit „wirklich“ meine ich mehrfach im Monat?

Ich vermute, der Anteil der oft getragenen, selbstgemachten Kleidungsstücke liegt bei weniger als 40%. Ist das bei Ihnen nicht der Fall, können Sie jetzt direkt zurück ins Wochenende gehen.

Wenn Sie, wie ich, zu denen gehören, die eine stattliche Anzahl von selbstgemachten Kleidungsstücken haben, aber nur einen kleinen Teil davon regelmäßig tragen, sollten Sie jetzt mal zum Kleiderschrank gehen.

Legen Sie die Teile heraus, die Sie oft anhaben und überlegen Sie, was genau der Grund dafür ist.

Vermutlich diese:

1. Es gibt keine Alternative dazu. (Sie haben z.B. nur die selbstgenähten Mäntel)

2. Es passt gut.

3. Es ist bequem.

4. Es lässt sich gut kombinieren.

5. Es passt zu Ihrem Lebensstil.

6. Es macht Sie glücklich.

7. Sie haben nicht mehr als 5 Varianten davon im Schrank hängen.

Und was ist mit dem Rest los?

Wer nähen kann, der eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten. Je nach handwerklichem Können und Budget können wir uns Kleidungswünsche erfüllen, die mit Kaufkleidung nicht möglich wäre. Gerade am Anfang produzieren wir in dieser Begeisterung, alles Mögliche machen zu können, Vieles, was nicht zum sonstigen Inhalt unseres Kleiderschranks und zu unseren tatsächlichen Bedürfnissen passt. Schlicht weil wirs können.

In meinem Kleiderschrank hängen mehr „Partykleider“ als ich in einem Jahr Einladungen und Gelegenheiten habe. Warum? Weil ich die Vorstellung von wöchentlichen Cocktail-Parties offensichtlich so mag, dass ich auch ohne Anlass Partykleider genäht habe.

Anlasskleidung macht so großen Spaß zu nähen (und zu tragen), weil sie unser Luxusbedürfnis befriedigt. Es macht auch deutlich mehr Spaß, etwas zu nähen, bei dem es eine eingebaute Erfolgsgarantie gibt, weil wir es gut können. Höchstwahrscheinlich haben Sie die größte Auswahl an selbstgemachten Kleidungsstücken genau da.

Röcke gehen mir z.B. flott von der Hand. Weshalb ich locker auf 20 komme. Und doch trage ich die Hälfte der Woche eher Hosen. Im Winter sogar noch häufiger. Von denen habe ich nur zwei. Keine davon selbstgemacht. Ich befürchte endlose Anpassereien. Sie erkennen ein Muster?

Wovon ist in Ihrem Kleiderschrank mehr vorhanden, als Sie realistisch brauchen können? Und welche oft getragenen Arten von Kleidungsstücken sind bei den selbstgemachten unterrepräsentiert? Und warum ist das bei Ihnen so? Verstecken sich da Ihre Angstgegner?

Oft nähen wir auch impulsgesteuert. Ein toller Stoff, ein herausfordernder Schnitt. Erst wenn das neue Teil hilflos im Kleiderschrank hängt, fällt uns auf, dass es nirgends dazu passt. Nach ein paar halbherzigen Kombiversuchen lassen wir es dann einfach hängen. Und „vergessen“ es irgendwann. Schließlich wartet da dieser tolle neue Stoff …

Eine großartige Gelegenheit, all Ihre selbstgenähten Schätze auszutragen und neu zu bewerten, ist der MeMadeMay. Dabei handelt es sich um eine monatlange Herausforderung, deren genaue Regeln Sie selbst festlegen, die Sie aber dazu anhält, jeden einzelnen Tag Selbstgemachtes zu tragen.

Dabei passieren spannende Dinge: Sie entdecken völlig neue Kombinationen, Sie werden mit den Lücken in Ihrer selbstgemachten Garderobe konfrontiert und der Fülle. Insgesamt ist der MeMadeMay ein äußerst geselliger Anlass, Ihren Kleiderschrank neu aufzustellen und in der Folge mehr Kleidung selbst herzustellen, die Sie tatsächlich tragen.

 

 

2 Gedanken zu „Tragen Sie das?

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